Verzicht auf Rücktritt bei vorvertraglicher Anzeigepflichtverletzung in der D&O
Warum dieses Leistungsmerkmal für die Absicherung entscheidend ist
Wenn ein Unternehmen eine D&O-Versicherung abschließt, stellt der Versicherer im Antrag heikle Fragen. Es geht um bekannte Pflichtverletzungen, drohende Ansprüche oder Unregelmäßigkeiten aus der Vergangenheit. Werden diese Fragen unvollständig oder falsch beantwortet, liegt eine vorvertragliche Anzeigepflichtverletzung vor. Normalerweise kann der Versicherer dann vom Vertrag zurücktreten oder ihn wegen arglistiger Täuschung anfechten.
Warum dieser Verzicht in der D&O lebenswichtig ist
Ohne die Klausel zum Rücktrittsverzicht steht im Ernstfall die gesamte Absicherung auf dem Spiel. Wenn ein einzelner Geschäftsführer bei den Antragsfragen schlampt oder ein Risiko verschweigt, betrifft das das ganze Unternehmen. Der Versicherer zieht sich im schlimmsten Fall komplett aus dem Vertrag zurück. Das bedeutet: Auch die anderen, völlig ahnungslosen Mitglieder der Geschäftsführung stehen plötzlich ohne Schutz da und haften bei Ansprüchen mit ihrem Privatvermögen.
Wie die Klausel im Schadenfall schützt
Ein konkretes Beispiel verdeutlicht die Wirkung. Ein Geschäftsführer einer Mannheimer GmbH weiß von einer schweren Fehlentscheidung bei einer Investition, verschweigt dies aber bei der Verlängerung der D&O-Versicherung. Sein Co-Geschäftsführer ahnt davon nichts. Kommt es später zur Inanspruchnahme durch den Insolvenzverwalter, greift die Klausel:
1. Schutz für die Unschuldigen. Der Versicherer verzichtet darauf, den gesamten Vertrag wegen der Falschangabe aufzulösen. Der unschuldige Co-Geschäftsführer behält seinen vollen Versicherungsschutz für Abwehrkosten und Schadenersatz.
2. Konsequenzen für den Verursacher. Der Geschäftsführer, der die Pflichtverletzung wissentlich verschwiegen hat, verliert hingegen für diesen konkreten Fall seinen Schutz. Der Versicherer wird für ihn keine Leistung erbringen.
Bei nachgewiesener arglistiger Täuschung ist die Rechtslage allerdings deutlich unsicherer. Das Oberlandesgericht Köln hat mit Urteil vom 10. Februar 2026 (Az. 9 U 49/25) marktübliche Severability-Klauseln, die gutgläubige Organmitglieder bei arglistiger Täuschung eines Kollegen schützen sollen, als unwirksam angesehen. Das Gericht hat die Revision zum Bundesgerichtshof zugelassen, sodass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Die genaue Formulierung des Verzichts im Kleingedruckten entscheidet darüber, wie sicher du im Ernstfall bist – und die aktuelle Rechtsentwicklung solltest du dabei im Blick behalten.
Mein Tipp:
Achte bei der Auswahl des Tarifs darauf, dass der Versicherer nicht nur auf das Rücktrittsrecht, sondern auch auf das Recht zur Kündigung und zur rückwirkenden Vertragsanpassung verzichtet. Zudem muss im Vertrag stehen, dass das Wissen eines Managers den anderen nicht zugerechnet wird. Als dein freier Versicherungsmakler schaue ich mir diese Details in den Bedingungen genau an, damit du im Ernstfall keine böse Überraschung erlebst.
In einem gemeinsamen Gespräch analysieren wir deine aktuelle Situation und prüfen, wie sicher die Klauseln in deinen bestehenden Verträgen formuliert sind.
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Quellen
- § 19 VVG – Einzelnorm – gesetze-im-internet.de
- Anfechtung D&O Policen: marktübliche Klauseln beanstandet – Haufe
Dieser Artikel ist eine allgemeine Information und ersetzt keine individuelle Beratung.
Häufige Fragen
Was passiert, wenn mein Co-Geschäftsführer beim D&O-Antrag einen Fehler macht und wir keinen Rücktrittsverzicht vereinbart haben?
Ohne diese Klausel kann der Versicherer den gesamten D&O-Vertrag rückwirkend auflösen. Das bedeutet, dass auch du als völlig ahnungsloser Geschäftsführer im Schadenfall ohne Schutz dastehst und mit deinem Privatvermögen haftest.
Schützt mich der Rücktrittsverzicht auch, wenn ich selbst ein bekanntes Risiko im Antrag verschwiegen habe?
Nein, für dich persönlich gilt der Schutz in diesem Fall nicht. Wer wissentlich falsche Angaben macht, verliert für diesen Schadenfall seinen Anspruch auf Leistungen, während deine ehrlichen Kollegen im Unternehmen weiterhin geschützt sind.
Kann der Versicherer den D&O-Vertrag bei einer arglistigen Täuschung trotzdem anfechten?
Ja, und zwar mit erheblicher Wirkung: Das Oberlandesgericht Köln hat mit Urteil vom 10. Februar 2026 (Az. 9 U 49/25) marktübliche Severability-Klauseln, die gutgläubige Organmitglieder schützen sollen, für unwirksam erklärt. Das bedeutet, dass auch redliche Geschäftsführer bei arglistiger Täuschung eines Kollegen ihren Schutz verlieren können. Die Revision zum Bundesgerichtshof wurde zugelassen, die Frage ist also höchstrichterlich noch nicht abschließend geklärt. Der Rücktrittsverzicht schützt dich vor den unbewussten Fehlern deiner Kollegen – bei vorsätzlichem Betrug ist der Schutz derzeit rechtlich unsicher.
Worauf sollte ich bei den Formulierungen zum Rücktrittsverzicht im Kleingedruckten achten?
Achte darauf, dass der Versicherer neben dem Rücktritt auch auf das Recht zur Kündigung und zur rückwirkenden Vertragsanpassung verzichtet. Zudem muss klar geregelt sein, dass das Wissen eines Managers den anderen Kollegen nicht zugerechnet werden darf.
Christian WillmannVersicherungsmakler in Mannheim
D&O von Deinem Versicherungsmakler Christian Willmann in Mannheim, Heidelberg, Ludwigshafen und im gesamten Rhein-Neckar-Kreis
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