Die Riester-Rente könnte sich ab 2027 grundlegend ändern – sofern die geplante Reform tatsächlich kommt. Das Altersvorsorgereformgesetz befindet sich noch im Gesetzgebungsverfahren und muss erst vom Bundestag verabschiedet werden. Ein Blick auf die Pläne zeigt: Das bewährte Riester-System soll durch ein neues Altersvorsorge-Depot ersetzt werden.
Die erste Lesung im Bundestag fand bereits am 26. Februar 2026 statt. Doch bis zur finalen Verabschiedung können sich noch Details ändern. Zeit also, einen realistischen Blick auf das zu werfen, was geplant ist – und was das für bewährte Altersvorsorge-Strategien bedeuten könnte.
Deine Riester-Rente bleibt erstmal bestehen
Eine wichtige Nachricht vorweg: Bestehende Riester-Verträge genießen Bestandsschutz. Du behältst alle erworbenen Ansprüche – die verlässlichen 175 Euro Grundzulage pro Jahr und 300 Euro für jedes Kind bleiben Dir sicher.
Diese Planungssicherheit ist ein großer Vorteil der aktuellen Riester-Rente: Was zugesagt wurde, wird auch eingehalten. Deine Beitragsgarantie bleibt bestehen, ebenso wie die steuerlichen Vorteile, die Du bereits nutzt.
Neue Riester-Verträge sollen ab Januar 2027 nicht mehr möglich sein – falls das Gesetz so beschlossen wird. Bei Verträgen über fünf Jahren ist ein kostenloser Wechsel ins neue System geplant, aber keinesfalls verpflichtend.
Das geplante Altersvorsorge-Depot: Höhere Förderung, aber ohne Garantien
Das neue System setzt komplett auf ETFs statt auf die bewährten Versicherungs- oder Banklösungen der Riester-Rente. Damit verlässt der Gesetzgeber den Pfad der Sicherheit, den Riester seit über 20 Jahren erfolgreich beschreitet.
Geplante Förderung: Mehr Geld, mehr Komplexität
Die Pläne sehen deutlich höhere Zulagen vor: Bis zu 480 Euro jährlich statt der bewährten 175 Euro bei Riester. Das System wird aber komplizierter: 30 Cent pro Euro auf die ersten 1.200 Euro Eigenbeitrag, dann 20 Cent auf weitere 600 Euro.
Bei Riester ist es einfacher: Du zahlst mindestens vier Prozent Deines Bruttoeinkommens ein und bekommst die volle Zulage – ohne komplexe Staffelungen.
Die höheren Zulagen des geplanten Systems klingen verlockend, müssen aber gegen das höhere Risiko abgewogen werden. Bei Riester weißt Du heute schon, was Du mindestens bekommen wirst.
Familien: Bewährtes bleibt, wird aber neu verpackt
Die Kinderzulage soll bei maximal 300 Euro bleiben – wie bei der bewährten Riester-Rente auch. Der Unterschied: Die Berechnung wird komplizierter. Statt der klaren Riester-Regel „Kind = 300 Euro“ soll es künftig 25 Cent für jeden Euro Eigenbeitrag geben.
Neu geplant ist eine „Frühstart-Rente“ mit 10 Euro monatlich pro Kind. Das sind 1.440 Euro über zwölf Jahre.
Der Berufseinsteiger-Bonus soll von einmalig 200 Euro auf dreimal 200 Euro steigen. Bei Riester bekommst Du diesen Bonus einfach und unkompliziert im ersten Jahr.
Rechenbeispiel: Familie mit zwei Kindern
Bei 1.800 Euro Jahresbeitrag würde der Unterschied so aussehen:
- Bewährte Riester-Rente: 175 Euro Grundzulage + 600 Euro Kinderzulagen = 775 Euro Förderung (garantiert)
- Geplantes Depot: 480 Euro Grundzulage + 600 Euro Kinderzulagen = 1.080 Euro Förderung (ohne Garantie auf das eingezahlte Kapital)
Die 305 Euro Mehrförderung pro Jahr müssen gegen das Risiko von Kapitalverlusten abgewogen werden, das bei Riester nicht existiert.
Der entscheidende Unterschied: Garantie vs. Risiko
Hier zeigt sich der fundamentale Unterschied zwischen den Systemen. Die Riester-Rente garantiert Dir: Was Du einzahlst plus Zulagen, bekommst Du mindestens zurück. Diese Beitragsgarantie ist gesetzlich vorgeschrieben.
Das geplante Depot verzichtet komplett auf diese Sicherheit. Verluste sind ausdrücklich möglich – auch bei den staatlichen Zulagen. Was Generationen von Riester-Sparern Sicherheit gab, soll wegfallen.
Die Kosten sollen auf 1,5 Prozent gedeckelt werden – bei vielen Riester-Produkten liegen sie heute bereits darunter. Der oft kritisierte Kostenpunkt ist also kein klarer Vorteil des neuen Systems.
Steuerliche Behandlung: Noch viele Fragen offen
Bei der steuerlichen Behandlung des geplanten Depots sind noch wichtige Details ungeklärt. Die Riester-Rente funktioniert nach dem bewährten Prinzip der nachgelagerten Besteuerung: Einzahlungen sind steuerlich absetzbar, Auszahlungen werden versteuert.
Für das neue Depot ist ein ähnliches System geplant, aber die Details stehen noch nicht fest. Wie werden Verluste steuerlich behandelt? Was passiert bei einem Anbieterwechsel? Diese Fragen kann heute niemand beantworten.
Bei Riester kennst Du die steuerlichen Spielregeln seit über 20 Jahren. Das schafft Planungssicherheit, die beim neuen System erst aufgebaut werden muss.
Besonders unklar ist die Behandlung von Kapitalerträgen während der Ansparphase. Bei Riester sind die steuerlichen Aspekte vollständig geregelt und erprobt.
Flexibilität: Neues System punktet bei Auszahlung
Ein Pluspunkt des geplanten Systems: mehr Flexibilität bei der Auszahlung. Statt der Leibrente soll es verschiedene Auszahlungspläne geben, und Restkapital kann vererbt werden.
Allerdings bietet auch die Riester-Rente bereits Flexibilität: 30 Prozent des Kapitals können als Einmalbetrag entnommen werden, der Rest wird als lebenslange Rente gezahlt. Diese Garantie einer lebenslangen Rente ist ein Sicherheitsbaustein, den das neue System nicht bieten will.
Die Eigenheimförderung („Wohn-Riester“) soll in ähnlicher Form weiterlaufen. Hier hat sich das Riester-System bereits bewährt – warum sollte man ein funktionierendes System durch ein unerprobtes ersetzen?
Empfehlungen für verschiedene Situationen
Du bist unter 40 und hast noch keine Altersvorsorge
Überleg Dir, ob Du nicht jetzt schon mit Riester anfängst. Das System ist erprobt, die Förderung sicher, und Du hast den Schutz der Beitragsgarantie. Falls das neue System tatsächlich kommt und sich bewährt, kannst Du später immer noch wechseln.
Die Zeit bis 2027 kannst Du nutzen, um bereits Förderungen mitzunehmen und Kapital aufzubauen – mit der Sicherheit des bewährten Riester-Systems.
Du hast bereits eine Riester-Rente
Glückwunsch! Du hast bereits ein bewährtes System, das Dir Sicherheit bietet. Es gibt keinen Grund zur Panik oder zu vorschnellen Entscheidungen. Das neue System muss sich erst beweisen.
Prüfe die Konditionen Deines aktuellen Vertrags, aber lass Dich nicht von ungewissen Zukunftsversprechen verunsichern. Riester funktioniert – das zeigen über 20 Jahre Erfahrung.
Du bist über 50
Für Dich ist die bewährte Riester-Rente wahrscheinlich die bessere Wahl. Die Beitragsgarantie wiegt bei kürzerer Laufzeit besonders schwer. Warum solltest Du Deine Altersvorsorge kurz vor der Rente dem Risiko der Kapitalmärkte aussetzen?
Riester bietet Dir die Sicherheit, die in dieser Lebensphase wichtig ist. Das neue System ist ein Experiment – mit ungewissem Ausgang.
Vorsicht vor vorschnellen Entscheidungen
Das geplante Gesetz ist noch nicht verabschiedet. Es kann sich noch viel ändern, und eine neue Regierung könnte die Pläne komplett überarbeiten. Warum auf ungewisse Zukunftsmusik setzen, wenn Du heute schon ein funktionierendes System nutzen kannst?
Die Riester-Rente hat sich über Jahrzehnte bewährt. Millionen von Deutschen bauen erfolgreich damit ihre Altersvorsorge auf. Das neue System muss seine Praxistauglichkeit erst beweisen.
Lass Dich nicht von hohen Renditeversprechen blenden. In der Altersvorsorge zählt nicht nur die mögliche Rendite, sondern vor allem die Sicherheit, dass am Ende auch Geld da ist.
Handlungsempfehlung: Auf Bewährtes setzen
Wenn Du noch keine Altersvorsorge hast, spricht vieles dafür, jetzt mit Riester zu starten. Du bekommst sofort Förderung, baust sicher Kapital auf und kannst später immer noch entscheiden, ob das neue System besser für Dich ist.
Falls Du bereits einen Riester-Vertrag hast, gibt es keinen Grund zur Unruhe. Du hast eine solide, bewährte Altersvorsorge mit garantierten Leistungen. Das neue System muss Dir erst beweisen, dass es besser ist.
Wichtig ist in jedem Fall: Lass Dich nicht unter Druck setzen. Die Reform ist noch nicht beschlossen, und selbst wenn, hast Du Jahre Zeit für eine durchdachte Entscheidung.
Fazit: Bewährtes nicht vorschnell aufgeben
Die geplante Riester-Reform bringt höhere Förderungen, aber auch erheblich mehr Risiko. Das bewährte System der Riester-Rente bietet dagegen Sicherheit und Planbarkeit – Eigenschaften, die in der Altersvorsorge besonders wertvoll sind.
Über 20 Jahre haben gezeigt: Riester funktioniert. Das neue System ist dagegen ein Experiment mit ungewissem Ausgang. In der Altersvorsorge solltest Du nicht experimentieren, sondern auf Bewährtes setzen.
Die höheren Zulagen des geplanten Systems sind verlockend, aber sie kommen zum Preis der Beitragsgarantie. Ob dieser Tausch sinnvoll ist, hängt von Deiner individuellen Situation ab – und davon, ob das Gesetz überhaupt so kommt, wie geplant.
Deine nächsten Schritte
Jede Altersvorsorge-Entscheidung ist individuell. Ob die bewährte Riester-Rente oder das geplante neue System besser für Dich ist, hängt von vielen Faktoren ab: Deinem Alter, Deiner Familie, Deiner Risikobereitschaft und Deinen Zielen.
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